Das Binnen-I und Barrierefreiheit
Geschlechtergerechte bzw. geschlechtsneutrale Sprache ist ein Thema bei dem die Köpfe heiß werden, die Meinungen aufeinanderprallen und heftige Diskussionen entstehen können. Besonders spannend wird es bei der Verwendung des berühmten Binnen-I wie z.B. in LeserInnen, BloggerInnen,..
Obwohl jetzt nicht mein Thema, kurz noch dazu: Natürlich könnte man einwenden, dass Blogger ein englischsprachiger Begriff sei und im englischen für beide Geschlechter stünde. Ich verwende es hier aber besonders bewußt, da die Blogosphäre doch mehr von Männern – zumindest in der öffentlichen Aufmerksamkeit – “beherrscht” wird. Wenn ich nun z.B. bei meiner neuen Aktion nur die ältesten Blogger suchen würde – ich weiß nicht wieviele hierbei im ersten Moment an Frauen denken würden. Aber das nur am Rande und zurück zum Thema.
Gestern fand ich einen Artikel über LeserInnen und Barrierefreiheit sowie einen Kommentar eines Mannes, der meinte, dieses Thema betreffe doch auch Männer. Zuerst dachte ich mir, dass dies ein typischer Kommentar von jemanden sei, den schon wieder einmal das Binnen-I stört. Aber dann kam mir als zweite Frage wie denn eigentlich Screenreader und Lesegeräte mit Braillezeile auf das Binnen-I reagieren. Kann jemand, der auf solche Geräte angewiesen ist, einen Unterschied zwischen rein weiblichen Leserinnen und beidgeschlechtlich gemeinten LeserInnen erkennen?
Die Frage ließ mich nicht los und so besuchte ich einen blinden Kollegen um das ganze live zu erfahren. Unser Ergebnis liest sich wie folgt. LeserInnen (also mit Binnen-I) werden von seinem Screenreader durchaus “richtig” interpretiert in dem dieser das “I” mehr betont – es ähnlich wie “Leser innen” klingt. Die Betonung liegt somit mehr auf dem “i” als auf dem “r”. Daher ist das Binnen-I verständlich. Der Gegentest mit einem auch oft verwendeten “Leser/innen” (einen Schrägstrich zwischen Leser und innen) wird dagegen als “Leser Schrägstrich innen” vorgelesen. Zumindest mein Kollege meinte es wäre somit das Binnen-I für ihn verständlich(er) und störe den Lesefluss nicht, im Gegensatz zur Schrägstrich Variante.
Auf der Braillezeile würde das Binnen-I als Großbuchstabe angezeigt und sei daher auch identifizierbar.
Das ist natürlich ein punktueller “Test” meinerseits mit einer bestimmten Software und ganz bestimmter Hardware. Daher würde mich natürlich interessieren wie das andere Menschen erfahren, die auf solche Geräte angewiesen sind. Beate Firlinger von MainWeb hat mich auf einen Blogeintrag “Gender ist kein Thema“ hingewiesen in dem auch das Thema der Lesefähigkeit in den Kommentaren angeschnitten wird. Viel mehr konnte ich auch über Google nicht finden. Vielleicht lag es an den falschen Suchbegriffen.
Abschliessend auch die allgemeine Frage an all meine LeserInnen. Gibt es jemand unter euch der mein Blog mit Screenreader, über eine Braillezeile oder anderweitige Technik liest bzw. hört? Ich würde gerne eure Erfahrungen mit meinem Blog und eure Verbesserungsvorschläge erfahren.
2 Trackbacks
Trackback-URL für diesen Eintrag
MAIN_web am 07.08.2007: Sommerloch und Herbsthinweise
Nur ein Blog am 05.10.2007: Accessibility Blog Parade: Gedanken und Anregungen












2 Kommentare
Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt
#1 - leon am 15.01.2009 um 21:57:
Offensichtlich hat mantier keine anderen Sorgen,als ob das Drecksgenderzeug auch von Cardreader gelesen werden kann.
Am besten, normales Deutsch schreiben, dann gibts keine Probleme.
PS: Wenn Männer sich in diesen Thema hineinprojezieren, ist das doppelt bedenklich…Lieben Gruß
#1.1 - Robert Lender am 19.01.2009 um 21:50:
Ich mag doppelt bedenklich sein :-) aber trotzdem finde ich die Auseinandersetzung mit Genderfragen wichtig…