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1a-url.de - der barrierefreie Webcounter - Interview mit Stephan Heller

Die BIENE ist seit Jahren DER Wettbewerb für barrierefreie Websites im deutschsprachigen Raum. Bei der BIENE 2010 ist mir insbesondere das barrierefreie Webstatistiktool 1a-url.de aufgefallen.

Denn behinderte Menschen sind nicht nur KonsumentInnen von Webangeboten – muss ich das jetzt wirklich noch betonen? – viele gestalten auch welche. Aber die Anzahl der barrierefreien Backends von CMS etc. dürfte sich noch sehr klein halten. Umso interessanter sind dann Webtools wie 1a-url.de.

Stephan Heller (daik.de) hat dieses Angebot mit fachlicher Unterstützung von Kerstin Probiesch gestaltet.

Neugierig wie ich bin habe ich Stephan Heller um ein (schriftliches Interview) gebeten. Herr Heller verwies mich vorab auf ein Interview im PHP Magazin. Ich hoffe ich habe Herrn Heller doch noch ein paar interessante Antworten entlockt.

Das Backend von 1a-url.de ist barrierefrei bedienbar. Gibt es sonst noch Gründe warum ich diesen Webcounter verwenden sollte?

Stephan Heller: Hier kann man ja darüber diskutieren was barrierefrei ist. Für mich war es wichtig, die Auswertungen so einfach wie möglich auf zu bauen, damit nicht nur der Web- oder Marketing-Fachmann damit was anfangen kann, sondern auch “Lieschen Müller” von nebenan, die Ihre Webseite für ihr Nähstübchen betreibt. Aber das fällt für mich im weitesten Sinne auch unter Barrierefreiheit, dass Informationen inhaltlich gut aufbereitet sind.

Ein weiterer persönlicher Grund könnte sein, dass man sich Gedanken über Datensicherheit macht. Grundsätzlich, ich finde viele Dinge von Google gut, sie haben unser Leben verändert und uns auch weiter gebracht. Aber ich bin auch immer wieder erschrocken, welches Eigenleben Google auf meinem Rechner lebt. Egal welchen Service von Google ich nutze, es werden immer irgendwelche Daten mit geschleift und bei der nächst besten Möglichkeit verwertet. Es werden Daten zweckentfremdet gespeichert, zu dem man nie seine Zustimmung erteilt hat. Das passiert beim 1a-url.de Counter nicht.

Die einzige Zweitverwertung, die ansteht, dass seitenübergreifend eine Statistik aufgebaut werden wird, wie Browseranteile usw. sich im Web verteilen. Das wird aber nicht auf einzelne Seiten zurückführbar sein, und der Nutzen soll auch ein allgemeiner Informationscharakter haben, und kein “Ausspähen” von individuellem Userverhalten.

1a-url.de hat eine BIENE gewonnen. Hat(te) dies auch Auswirkungen – Zugriffszahlen, Feedback, Interesse?

Stephan Heller: Nun, der Counter zählt sich ja nun auch selber, und es war gigantisch zu sehen, dass am Tag der Nominierung und vor allem mit der BIENE-Verleihung selber die Zugriffszahlen um das 10-fache in die Höhe schnellten. Leider hat sich das im Januar wieder auf Normalmaß reduziert, es scheint erst mal keine signifikanten höhere Zugriffszahlen zu geben. Aber das deckt sich mit meinen Erfahrungen von allen meinen Webseiten, dass ein stabiler Anstieg der Zugriffzahlen ein langsamer und arbeitsintensiver Prozess ist.

[Anmerkung: Ich habe das Interview vor meinem Urlaub geführt. Herr Heller teilte mir vor ein paar Tagen mit, dass die Zugriffszahlen nun doch im Steigen begriffen sind.]

Erfreulich hingegen aber, dass mit der BIENE ein ganzer Schwung neuer Nutzer hinzu gekommen sind. Wie Sie ja wissen, der Counter befindet sich noch in den Kinderschuhen, und es Bedarf vieler und unterschiedlicher Daten, um den Counter wirklich bis in die letze Ecke kennen zu lernen, und auch kleinere Bugs herauszufinden. Macht Spaß und ist spannend, weil ich mit jedem Bug noch mal was neues über das Web lerne.

Was war die größte Hürde auf dem Weg zur Barrierefreiheit?

Stephan Heller: Von Hürden würde ich gar nicht sprechen. Die Seite ist vom ersten Gedanken an barrierefrei aufgebaut worden, von daher steht man nicht irgendwann da vor scheinbar unlösbaren Anforderungen.

Zwei Dinge haben wir lange diskutiert und entwickelt: Welche Semantik verwendet man für die Balkendiagramme? Sind es Tabellen? Oder Listen? Wir, also Kerstin Probiesch und ich haben uns irgendwann für Definitionslisten entschieden. Das schien uns am schlüssigsten. Damit verbunden war, daraus die Darstellung eines Balkendiagramms zu realisieren. Das ist ausschließlich über CSS geschehen, und macht dann einfach Spaß, wenn man sieht, was man mit CSS nicht alles zaubern kann.

Das andere war und ist die Darstellung und Semantik der Klickpfade. Wenn man heute darauf guckt, sieht das im Grunde ganz einfach aus. Pro Besucher werden mindestens 9 Einzelinformationen geliefert, auf der Seite sind 20 Besucher abgebildet. Sprich, auf einer Seite sind irgendwie mindestens 180 Einzelinformationen zu verpacken gewesen. Das Ganze mit Grafiken so zu unterstreichen, dass die Information möglichst intuitiv sind, welche Alternativ-Texte einzusetzen sind, bzw. ob überhaupt. Nun ja, die Grafiken sind an der Stelle leider immer noch eine Notlösung. Aber das muss man bei No-Budget-Projekten irgendwann für sich akzeptieren, dass man nicht alles bis in letze Detail perfekt ausarbeiten kann.

Gibt es weitere Ideen?

Stephan Heller: Ich würde gerne zum Counter bloggen, um einerseits zu zeigen, wie man die Auswertung richtig auswertet, und daran auch Maßnahmen anzuschließen, um Zugriffszahlen zu erhöhen. Der Counter ist ein Werkzeug, mit dem man seine eigene Arbeit messen kann, aber im Grunde geht es ja darum, SEO-Maßnahmen oder Anpassungen von Texten (und vieles mehr) so zu gestalten, dass man mehr Besucher gewinnt.

Und ich würde gerne auch über Phänomene bloggen, die ich bei meinem Seiten beobachte, an denen man erkennen kann, dass man unterschiedliche Seiten ganz unterschiedlich auswerten kann oder muss. So betreibe ich einerseits die Seite www.css-hack.de, welche Informationen für Entwickler liefert. Dort fallen die Zugriffen am Wochenende um 50% ab, die meisten Zugriffen finden von montags bis freitags statt.
Ganz anders bei der Seite www.celsius-fahrenheit.de, die ebenfalls aus meinen Fingern ist. Hier kann ich an den Zugriffszahlen eher die Wetterlage erkennen. Als im letzen Sommer zwischen dem 9. und 14. Juli in Deutschland eine Hitzewelle herrschte, stiegen die Zugriffe bis auf 680 pro Tag, wobei der Schnitt sonst bei etwas über 300 lag.

Finde das ganz spannend zu beobachten, und in der gedanklichen Fortsetzung heißt das auch, dass SEO und SEM Maßnahmen ganz speziell für jede Webseite individuell entwickelt werden müssen. Bestätigt dann aber auch meine Erfahrung, dass man von einer SEO-Agentur, die man für 100 ? im Monat bucht, nichts erwarten kann. SEO und SEM ist eine fortwährende und schwere Arbeit, die nicht mal eben nebenher gemacht ist.

Und die Frage, die immer kommen muss :) Gibt es ein Geschäftsmodell? Oder bleibt es ein Hobby?

Stephan Heller: Es gibt heute kein konkretes Geschäftsmodell. Wenn ich mir was für die Zukunft wünsche dürfte, dann würde ich gerne den Counter zu einem Marketing-bzw. SEO-Tool weiter entwickeln, mit dem man nicht nur zählen kann, sondern auch seine Maßnahmen verwalten und konkret auswerten kann. Aber das Bedarf noch viel Arbeit und steht noch in den Sternen. Wenn es ein gutes Tool wird, kann ich mir auch vorstellen, irgendwann Premiumprofile einzuführen, deren Leistungsumfang im Gegensatz zum kostenlosen Profil viele Features bietet.

Aber bis dahin wird es sicher noch eine Weile dauern. Und es hängt einfach auch davon ab, ob man mit Werbung, die geplant ist, zumindest die Unkosten wieder rein holen kann. Aktuell ist es de Facto ja ein Zuschussgeschäft. Solange ich aber über andere Projekte Einnahmen erziele, wird der Counter erst mal weiter gemacht! Das Projekt ist einfach zu spannend, dass ich auf jeden Fall daran weiter arbeite, wenn die Umstände es zulassen.

Schlussbemerkung meinerseits

Ich setze 1a-url.de seit ein paar Wochen für mein Schnipselblog ein und werde in Kürze über meine Erfahrungen berichten.

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