Tag 1. Ich bin begeistert. Was es alles zu sehen gibt. Jedem den ich folge verweist mich auf weitere interessante Profile.

Tag 3. Ich poste Bild auf Bild.

Tag 8: Ich scanne mit meinen Augen in jeder Situation, ob dies ein interessantes Motiv wäre. Mein Profil braucht weitere Fotos. Meine Follower brauchen Fotos, neuen Content. Von mir. Über mich.

Tag 12: ich lese jeden Artikel. Ich möchte noch besser werden. Mehr Reaktionen. Mehr Follower. Mehr Likes.

Tag 62: Ich bin erschöpft. Jede freie Zeit widme ich der Verbesserung meiner Fotos, meines Profils.

Tag 71: Die Konkurrenz fliegt an die unglaublichsten Orte. Ich komme dort nicht hin. Aber man kann ja so tun. Ist doch egal, wo das Foto entsteht. Das Endergebnis zählt.

Tag 80: Manche wundern sich, wie ich in 5 Tagen rund um die Welt reise.

Tag 89: Dislikes. Böse Kommentare über meine Postingstrategie. Das tut weh.

Tag 92: Meine Muskeln kommen in den Fotos auch nicht perfekt rüber. Naja. Es gibt ja Photoshop.

Tag 99: 100e haben mich entfolgt. Die bösartigen Kommentare steigen.

Tag 100: Ich habe meinen Account gelöscht.

Tag 101: Ich glaube ich werde jetzt Youtuber. Videos sind sowieso viel authentischer.


Dieser Artikel erscheint im Rahmen des Projekt *.txt zum Wort Radikal.

2 Kommentare

Linear

  • Schlagloch  

    Hallo Robert! Ich frage mich, ob ich noch ein soziales Wesen bin, wenn ich nur ab und zu auf Facebook andere Einträge lese? Andere Social Media Kanäle besitze ich "Gott sei gedankt" nicht. Ich könnte mir nicht vorstellen wann und was ich dort posten und lesen könnte. Radikal wäre es sicherlich den Facebook Account zu löschen, aber ein wenig will ich die "Antennen" doch ausfahren. Zumeist sind die Posts Auszüge von meinem Blog schlagloch.

    Die Zugriffszahlen auf das Blog stimmen, aber die Kommentare verschwinden im Nirwana. Ich betreibe ja ein literarisch- biografisches Blogprojekt, wo man nicht kurz ein Lieks hinterlassen kann.

    gruss schlagloch

    • Robert Lender  

      Nun, das soziale zeigt sich ja nicht allein durch die Präsenz im Internet :)

      Der Blogtext ist eine radikale Verkürzung mancher Entwicklungen, wie sie manche Influencer betreiben oder zeigen.

      Wenn du dich allein auf dein Blog konzentrierst ist es auch gut. Frage ist halt immer, wie bringt man LeserInnen ins Blog. Und das geht halt oft einfacher über Social Media. Aber es gibt sicherlich auch alternative Werbeformen.

      Liebe Grüße Robert

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